Herr Ausdemov ist mein inneres Gegenüber, mein männliches Alter Ego. Er ist ein wichtiges Mitglied meines Inneren Teams seit Jahrzehnten. Wir sind uns also einigermaßen bekannt. Er ist mein imaginärer Gesprächspartner, mein Liebling, mein Hassobjekt, mein Punchingball, mein Mülleimer, mein härtester Gegner, mein Kuschelmuschel. Unsere Dialoge sind imaginär, haben jedoch meistens einen realen Aufhänger im Außen. Herr Ausdemov zieht übrigens das v dem doppelten f vor, weil es so etwas adliger klänge. Das sagt eine Menge über seine Weltsicht und seine Haltung zum Leben und zu mir aus.

Die Gespräche mit den anderen Wesen sind zum Teil Zusammenfassungen aus realen Gesprächen in den sozialen Netzwerken und zum anderen Teil direkt von dort hier hinein kopiert.

Warum das alles? Weil es mir Spaß macht und weil es dir, der Leserin/dem Leser, vielleicht Freude und Anregung sein könnte.

Tierfotos

"Worte sind Hülsen, Bilder gefaked, ich verstehe langsam, warum man in all diesem Irrsinn Katzenbildchen quasi als Atempause empfinden könnte. Besonders, wenn es die eigenen Haustierchen sind.  Irgendwie vermitteln diese dann so eine niedlich friedliche Gewissheit. Also mach ich auch mal. So süß mein Haustierschneckchen!"

"Ähm, Frau Müller, diese Schnecke ist ein Monster. Sie hat den Kugelfischbestand auf null reduziert und fünf! Barsche gefressen. Da ist nix mit niedlich und friedvoll."

"Ach, verdammt, Sie müssen aber auch in jeder putzigen Unverfänglichkeit den Fallstrick finden, Sie oller Griesgram. Immerhin ist sie mehrfache Mutter!"

"Ja, sie gebiert am Fließband, damit die Vorratskammer mit Häppchen immer gefüllt bleibt."

"Sie ist die Königin!"

"Sag ich doch, Frau Müller, sie ist eine meuchelnde Despotin und macht alles platt, was ihr mundet."

"Aber, die Putzerfische. Die leben noch!"

"Nur als Sklavenarbeiter, die ihr Haus sauber halten dürfen."

"Das ist ihr Job und ihre Bestimmung!"

"Ach ja, und wer hat das festgelegt. Dieses Argument ist ja nun so alt wie die Geschichte der Menschheit und hat einen Bart, in dem sich Unrecht, Unterdrückung und Ausbeutung tummelnd im Reigen wiegen."

"Sie wollen jetzt nicht ernsthaft mit mir anhand eines süßen Haustierbildchen, dessen Anblick die Herzen erfreuen und erquicken soll, über so einen Scheiß wie Politik reden, oder?"

"War da nicht mal was mit `Alles ist politisch und keine Meinung haben, ist auch eine Meinung und Haltung nimmt man immer eine ein, egal ob man will oder nicht?"

"Sie sind ein Idiot. Ich hasse Sie! DAS IST NUR EIN SÜßES HAUSTIERBILDCHEN und sonst nix!"

Wach, oder nicht wach

„Wie bemerkt man, dass man noch gar nicht wach ist?“

„Na ja, indem man sich die Zähne mit der Hautcreme putzt. Im Hof steht zum Gassi gehen und bemerkt, dass man den Hund vergessen hat. Die Kaffeemaschine anmacht, ohne dass die Tasse drunter steht. Tippt, ohne Word geöffnet zu haben. Die Wäsche aus dem Wäschekorb automatisch in die Waschmaschine stopft, obwohl es die schon gewaschene ist. Die Plastikblumen wässert oder man die falsche Brille auf der Nase hat und fluchend versucht den Bildschirm neu zu kalibrieren, weil der anscheinend alles so verschwommen darstellt. Lauter so Zeugs halt. Ist Ihnen ja schon alles passiert, Frau Müller.“

„Stimmt. Ein Beispiel hätte aber auch gelangt. Müssen Sie jetzt nicht genüsslich drauf rum reiten. Egal. Heute Morgen ein Artikel über Nordkorea/Plutonium und ich lese IKEA statt IAEA (Internationale Atomenergieorganisation) und es fällt mir gar nicht auf. Ich nehme es einfach so hin. Erst unter der Dusche sickert  langsam, ganz langsam die Frage durch meinen Kopf, was hat bitteschön ein schwedisches Möbeldingsbums in Nordkorea zu suchen.  Das nenne ich einen Zustand des Nichtwachseins. Erschreckend.“

„Nun ja, Frau Müller, ich würde es eher einen Zustand des Informationsüberflusses nennen. Passiert einer Menge Leute auch in den Nachmittagsstunden oder überhaupt, egal ob sie müde sind oder nicht. Quasi zu viel Input und zu wenig Kapazität auf der inneren Festplatte zum Verarbeiten. Ein Zeichen unseres Informationszeitalters.“

„Ähm. Okay, ich brauch jetzt erstmal einen Kaffee, bevor ich das weiter diskutiere.“

„Die TASSE Frau Müller, die Tasse!“

Überraschung

„So wenig Sonne im Winter. Ich nehme jetzt Vitamin D3 Tabletten.“

„Deswegen strahlen Sie so von innen, Frau Müller!“

„Wollen Sie irgendwas Bestimmtes von mir? Oder haben Sie was angestellt und wollen beichten?“

„Wie kommen Sie denn darauf? Kann ich Ihnen nicht einfach nur mal ein Kompliment vor die Füße legen?“

„Nöh. Erstens können Sie durch all meine Fettschichten hindurch gar nichts von meinem inneren Leuchten erkennen und zweitens liegt es nicht in Ihrer Art, vor dem Frühstück Nettes in den Raum zu werfen. Also, was ist los?“

„Gar nichts ist los!“

„Wenn ein Mann dies in diesem Ton sagt, dann schrillen bei mir alle Alamsirenen. Also?“

„Sie sind nervig, Frau Müller! Aber gut, es gäbe da so eine Kleinigkeit.“

„???“

„Ich habe Ihnen ein Weihnachtsgeschenk besorgt.“

„Sie haben was? Gegen unsere Absprachen? Sie spinnen doch! Und riskieren Ihr Leben!“

„Na ja, aber.“

„Geben Sie es schon her, noch ist nicht Weihnachten. Also können Sie sich vor meinem Unmut gerade noch retten.“

„Aber!“

„Nix ist mit Aber. Her damit!“



„Oh, das ist ja sooooo süß! Sie kleiner Schlingel, Sie! Einfach so, ganz ohne Grund. Sie sind so lieb!“

„Jetzt strahlen Sie aber wirklich, Frau Müller!“

Weihnachtsgeschenke

„Frau Müller, was machen Sie da eigentlich die ganze Zeit?“

„Ich packe Geschenke für die Kinder ein.“

„Sie packen nicht ein, sondern sitzen schon zwei Stunden auf dem Boden und spielen.“

„Ja, aber die Sachen sind auch affengeil. Ein Stift, der mit mir spricht und dieses Auto, das ich steuern kann. So geil, so geil, so geil.“

„Früher gab es Nüsse und Mandarinen, vielleicht noch ein paar Kekse und ein Püppchen. Wir waren damit sehr zufrieden und glücklich!“

„Ach kommen Sie, Sie oller Miesepeter. Heute gibt es halt andere Sachen. Da, nehmen Sie mal die Fernsteuerung. Hallo, Sie sind ja ein richtiger Rennfahrer. Achtung, die Wand! Im Flur geht das noch viel besser!“


„Es geht nicht mehr. Jetzt ist es kaputt, Frau Müller!“

„Ne, die Batterien sind all. Sie spielen damit jetzt aber auch schon ne lange Weile rum.“

„Ah, jetzt geht es wieder!“


„Können Sie mir das Auto nun endlich geben? Zum Einpacken.“

„Och, Sie sind gemein, Frau Müller. Da nehmen Sie es halt. Trotzdem bin ich der Meinung, früher waren wir sehr zufrieden mit viel weniger Zeugs. Kann ich jetzt mal den Stift ausprobieren?“

„Aber nur kurz! Immerhin würde ich gerne noch frühstücken vor dem Mittagessen.“ 

Wäsche

"Frau Müller, was machen Sie da?"

„Ich stopf die Wäsche in den Trockner.“

„Sie haben aber schon mitbekommen, dass Sie heute Morgen vergaßen die Waschmaschine anzustellen? Ich würde die Wäsche ja erst waschen!“

„Upps, darum fühlt die sich so komisch trocken an!“

„Frau Müller, dazu sag ich jetzt nix.“

„Besser so! Sie riskieren sonst Ihr Leben!“

Allerlei 7

"Am Streuselkuchen mag ich aber nur die Streusel, auf den Rest verzichte ich."
"Aber beim Streuselkuchen ist es wie mit dem Leben. Sie können sich doch nicht immer nur die Rosinen raus picken. So funktioniert das nämlich nicht, Sie müssen schon das Gesamtpaket nehmen und goutieren."
"Frau Müller, können Sie nicht einfach mal irgendwas einfach so stehen lassen, ohne gleich in die ErhobeneZeigefingerKiste zu greifen?!"
"Nöh."
"Na gut, dann geben Sie mir halt das ganze Stück. Ich werde es wohl überleben."

„Oma! Ich kann so gar nicht schlafen!“
„Du könntest Schäfchen zählen. Das soll helfen.“
„Oma, du sagst Quatsch. Es ist doch dunkel draußen, da kann ich keine Schäfchen zählen. Ich sehe die doch gar nicht.“
„Mama, warum erzählt die Oma denn so einen Quatsch?“
„Ich weiß nicht. Frag sie doch selbst.“
„Vielleicht, weil sie schon so eine urururalte dicke kleine Oma ist?“

Wie schön, dass man dann ganz gelassen wie ein Jungspund die Treppe hinunterhüpfen und die Tür hinter sich schließen kann.

‎"Was ich ja nicht verstehe ist: Die Anzahl der Singlehaushalte
steigt. Gleichzeitig steigen auch die Angebote und die Preise
für Kleinpackungen. Da ist immer weniger drin und es wird
immer teurer. Das ist doch idiotisch.“
"Ne, Frau Müller, das ist Marktwirtschaft."
"Ähm, das ändert ja nun nix an der Idiotie, oder?!"

"Was machen Sie denn da, Frau Müller?"
"Ich such und finde nicht."
"Aha."
„Nix Aha, das ist wichtig. So für die Balance.“
"Also gut, sagen Sie schon, was suchen Sie denn nun?"
"Was Lustiges! Ich wollte mich heute mal nur mit Lustigem beschäftigen. Lachen, einfach nur lachen. Aber ich find nix. Nur Mord und Totschlag und Krieg und depperte Nachrichten für ebensolche Leute."
"Hahaha, Sie sind ja lustig, Frau Müller. Wo Sie aber auch suchen.“

„Was schleppen Sie da denn schon den ganzen Morgen auf den Dachboden, Frau Müller?“
„Ich sortiere meine Horror- und Gruselromane aus und pack sie in Kisten nach oben.“
„Warum denn das? Ich dachte bisher, dass Sie sie gerne ab und an lesen.“
„Ja, früher fand ich die ganz gut. So als Ausgleich, für die innere Balance. Der Schatten musste gefüttert werden, die innere Bestie brauchte ab und an ihre Häppchen zur Besänftigung.“
„Ach, hat sich daran etwas geändert?“
„Ne. Aber ich brauch dafür jetzt keine Bücher mehr. Es langt, wenn ich mich durch die Nachrichten klicke. Die Realitäten haben die schwärzesten literarischen Fantasien längst überholt. Da kommt kein Horrorthriller mehr mit.“  

Universen

„Frau Müller, Sie appellieren wirklich an die Menschlichkeit der Menschen, die durch ihre Habsucht und Gier doch die Fluchtursachen erst geschaffen haben? Sie sind schon ein wenig naiv, oder?“

„Na ja, aber, es könnte doch sein, dass …“

„Nein, Frau Müller, da war nichts, da ist nichts, und da wird auch niemals etwas sein können. Denen, die an Krieg und Ausbeutung verdienen, gut verdienen, denen gehen diese Menschenleben ganz und gar am Arsch vorbei. Meinen Sie, das macht für einen von denen einen Unterschied, ob der Mann, die Frau, das Kind elendig ertrinkt, oder von einem Maschinengewehr geschreddert oder von einer Bombe zerrissen wird oder sich unter abscheulichen Bedingungen zu Tode schuftet? Das ist denen egal. Das sind Kollateralschäden, Abfälle, Späne, Restmüll. Sie verstehen nicht, dass die Gewinnler und Abkassierer und ihre Handlanger da gar keine menschlichen Subjekte wahrnehmen, nie wahrgenommen haben. Das sind, wenn überhaupt nur ein Gedanke dran verschwendet wird, maximal Arbeitskräfte, Konsumenten, Wähler, Kanonenfutter, Zahlen auf den Papieren, frei verfügbare Objekte fürs eigene Geschäft und den eigenen Machterhalt. Mehr nicht. Das ist das, was Sie und viele andere mit einem gänzlich anderen Menschen- und Weltbild einfach nicht verstehen wollen. Sie bewegen sich in zwei völlig unterschiedlichen Universen. Da gibt es keine Schnittstellen. Gar keine.

„Ich weigere mich, ich weigere mich schlichtweg, das so zu sehen. Ich weigere mich!“

„Das können Sie gerne tun. Es ändert jedoch nichts.“

„Sie sind ein Arsch. Sie sind so ein verdammter Arsch!“